Einiges ist in den vergangenen Jahren in Afrika erreicht worden, aber zu wenig, und die Menschen dort haben zu wenige Chancen. Andere Länder haben sich deutlich dynamischer entwickelt. Ende der 50er-Jahre war das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Ghana doppelt so hoch wie in Südkorea. Heute ist die Relation mit dem Faktor 20 umgekehrt. Man muss fragen dürfen, warum das so ist. Das wird aber viel zu wenig diskutiert, und die Frage scheint für viele noch nicht einmal politisch korrekt zu sein. Wir brauchen aber Antworten. Zu den entscheidenden Antworten wird das Fehlen guter Regierungsführung gehören und als weitere Folge davon eine selbstzerstörerische Korruption. Fast schon folgerichtig dokumentieren die kleinen, aber durchaus reichen Eliten Afrikas ihr fehlendes Vertrauen in die eigenen Strukturen, indem sie ihr Geld lieber außer Landes deponieren. Das war in Ostasien ganz anders und hat die Grundlage dafür gelegt, dass sich in Südkorea oder in Taiwan inzwischen ein breiter Mittelstand entwickeln konnte.
Regierende viel mehr in die Pflicht nehmen
Es geht nicht darum, unsere Regeln anderen oktroyieren zu wollen. Aber es geht darum, dass sich die Länder Afrikas klare Regeln geben und dann auch für deren verlässliche Einhaltung sorgen. Ansonsten werden weiterhin zu wenig Jobs in Afrika entstehen und erst recht werden keine Investitionen von außerhalb hereinkommen, denn dafür werden stabile Rahmenbedingungen gebraucht. Wichtig ist auch ein funktionierendes und gerechtes Steuersystem.
Über ownership wird meist nur geredet, aber von den Regierenden in Afrika selten gelebt. Wir müssen künftig viel robuster eigene Initiative, Verantwortung und bessere Regierungsführung einfordern. Sonst hat Afrika keine Zukunft.
Volkmar Klein
Es kann nicht sein, dass ein durchaus reiches Land wie Nigeria nur eine verschwindend geringe Steuerquote hat. Jobs und damit Steuerkraft sind wichtig für eine sich selbst tragende Entwicklung, die den Staat mehr und mehr in die Lage versetzt, Infrastruktur und Bildung selbst zu finanzieren. Darüber hinaus stärkt das die Bürgergesellschaft ganz entscheidend: Wer Steuern zahlt, fragt die Regierenden auch, was mit seinem Geld passiert. Bisher werden solche Fragen in zu wenigen Ländern Afrikas wirklich mit Nachdruck gestellt. Umso deutlicher sollten wir gute Regierungsführung als Voraussetzung erfolgreicher Entwicklungszusammenarbeit einfordern.
Bei der Entwicklungszusammenarbeit Nachhaltigkeit und Jobs in den Mittelpunkt stellen
In Afrika hat es in den vergangenen Jahren spürbare Verbesserungen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Ausbildung und Wasserversorgung gegeben. Das ist auch wichtig, weil zum Beispiel Krankheiten tatsächlich ein Entwicklungshindernis sind. Aber das reicht nicht. Ein gesichertes Gesundheitssystem und sauberes Wasser geben dem Absolventen einer afrikanischen Uni noch längst nicht die Chance, sein Leben zu gestalten und eine Familie zu ernähren. Unsere Entwicklungszusammenarbeit hat das zu lange übersehen oder bewusst gefremdelt mit der dringend notwendigen Zusammenarbeit und der Förderung der Wirtschaft vor Ort.
Es kann nicht sein, dass ein durchaus reiches Land wie Nigeria nur eine verschwindend geringe Steuerquote hat.
Volkmar Klein
Der Fokus muss künftig viel mehr auf Jobs und Chancen gerichtet werden. Wenn das nicht gelingt, können weitere Länder der Region leicht zum Pulverfass werden. Eine größer werdende Zahl ausgebildeter junger Männer ohne Chancen birgt erhebliche Gefahren und ein gefährliches Radikalisierungspotenzial. Das kann schnell zum Sicherheitsrisiko für ein betroffenes Land und die ganze Region bis hin zu uns in Europa werden. So weit darf es nicht kommen. Deshalb müssen wir dafür kämpfen, dass die vielen jungen Menschen in Afrika mehr Chancen bekommen.
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