Menschenrechte stehen unter nachhaltiger Attacke: In Syrien, Jemen, Irak, Südsudan wird das Kriegsrecht routinemäßig missachtet. Für die Flüchtlinge schließen sich die Tore und im Westen ist Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig geworden. Gleichzeitig wächst der Autoritarismus, angeführt von den immer selbstbewusster und menschenverachtender agierenden Regierungen in Russland, China und der Türkei, um hier nur die prominentesten zu nennen.
Humanitäre Interventionen mit dem Ziel, Menschenrechtsbedingungen zu verbessern, werden seit den von den USA angeführten Kriegen im Irak und in Afghanistan (und später auch in Libyen) global mit großer Skepsis betrachtet. Das liegt vor allem daran, dass im Zuge von 9/11 die Amerikaner und ihre Alliierten selber mit Menschenrechtsnor- men gebrochen haben und es ihnen nicht gelungen ist, rechtsstaatliche Regierungen zu etablieren.
Zu lange haben Schönwetter- und Geschäftsreisen in Länder wie Saudi-Arabien und Ägypten die deutsche Außenpolitik geprägt. Stabilität, Sicherheit und nachhaltigen Frieden kann es aber nur mit einem entschiedenen Einsatz für Menschenrechte geben.
Wenzel Michalski
Die EU, wirtschaftlich geschwächt, hat die Flüchtlingskrise zum größten Teil falsch gehandhabt. Fremdenfeindliche Parteien erstarken, die Union bröckelt. Die EU schafft es nicht, ihre eigenen Prinzipien und Werte aufrechtzuerhalten.
Doppelmoral bei menchenrechtsverachtenden Verbündeten
Der Westen übt sich weiterhin in offenkundiger Doppelmoral, indem er menschenrechtsverachtenden Verbündeten Schutz bietet (am augenfälligsten Saudi-Arabien), während er andere verurteilt. Weltweit herrscht ein Klima, in dem populistische Politiker vorsätzliche Ignoranz zur Schau stellen gegenüber lang bewährten Prinzipien und Lügen verbreiten oder Fakten vertuschen, während neue Informationsquellen, inklusive der sozialen Medien, zu Verstärkern der Intoleranz, Verschwörungstheorien und Desinformation missbraucht werden. Diese Herausforderungen, die den jahrzehntelangen Fortschritt im Bereich der Menschenrechte bedrohen, sollte Deutschland dringend dazu veranlassen, strategisch über seine Verantwortung und Rolle in der Welt nachzudenken.
Vor allem kann es sich Deutschland nicht mehr leisten, den Begriff »Sicherheit« lediglich im Kontext militärischer Macht und Strategie zu verstehen. Europas Stärke beruht auf gemeinsamen Werten. Und diese werden bedroht und sind in Gefahr. Ohne diese gemeinsamen Werte aber sind Institutionen wie Nato und EU nichts wert. Die Angriffe konzentrieren sich hauptsächlich auf die Rechte von Flüchtlingen, Migranten und Minderheiten, aber dehnen sich auch auf die Medienfreiheit (Ungarn) und die Unabhängigkeit der Justiz (Polen) aus. Vorbild ist da häufig das autoritäre Russland.
Europas Stärke beruht auf gemeinsamen Werten
Deutschland hat sich herausragend unter Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Rechte der Flüchtlinge eingesetzt. Und Deutschlands Integration der türkischen Minderheit, auch wenn sie nicht ganz reibungslos verlief, ist heute ein ziemlicher Erfolg im Vergleich mit den gescheiterten Versuchen einiger anderer europäischer Staaten.
Was wir jetzt von Deutschland brauchen, ist eine selbstbewusste und entschiedene Verteidigung der demokratischen Grundwerte. Teils begründet in seiner Geschichte, hat Deutschland traditionell diese Rolle nicht gespielt und lieber an die usa, Großbritannien oder Frankreich verwiesen.
Wenzel Michalski
Was wir jetzt von Deutschland brauchen, ist eine selbstbewusste und entschiedene Verteidigung der demokratischen Grundwerte. Deutschland hat traditionell diese Rolle nicht gespielt und lieber an die USA, Großbritannien oder Frankreich verwiesen.
Aus den diversen oben angerissenen Gründen sind diese traditionellen Verfechter der Menschenrechte heute allerdings kompromittiert oder zurückhaltend. Deswegen ist es jetzt so notwendig, dass Deutschland in diese Lücke springt. Zu lange haben Schönwetter- und Geschäftsreisen in Länder wie Saudi-Arabien und Ägypten die deutsche Außenpolitik geprägt. Stabilität, Sicherheit und nachhaltigen Frieden kann es aber nur mit einem entschiedenen Einsatz für Menschenrechte geben.
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