Wassermangel als größte Herausforderung der nächsten Jahre

Von Uschi Eid

Auch wenn Massenflucht, Kriege und der Zusammenbruch von Staaten als kurzfristig größte Risiken der Welt im »Global Risks Report« des Weltwirtschaftsforums genannt werden, so sehen die befragten Experten längerfristig die Wasserkrise als globales Risiko Nummer eins. Die Zahl der Menschen, die unter Wasserstress leben, nimmt weltweit zu, und viele der Betroffenen verlassen auch deswegen ihre Heimat. Immer schlimmere Dürre- und Hochwasserkatastrophen sind zu bewältigen. Politische Spannungen in wasserarmen Gebieten spitzen sich zu. Wasser droht von Kriegsparteien als strategische Waffe eingesetzt zu werden. Trotzdem wird Wasser als Thema zum Beispiel in der europäischen Politik nicht ernst ­genommen – denn in weiten Teilen des Kontinents haben wir ja genug davon.

Süßwasser nur 2,6 Prozent der globalen Vorkommen

Bevölkerungswachstum, ein verbesserter Lebensstandard, Urbanisierung, ineffiziente Wasser­nutzung in der Landwirtschaft, Klimawandel, politisch-administrative Mängel, Verschmutzung, Verschwendung, Übernutzung und mangelnde zwischenstaatliche Kooperation bei der grenz­überschreitenden Wasserbewirtschaftung gehören zu den wichtigsten Ursachen dafür, dass der Druck auf das vorhandene Süßwasser der Erde, das lediglich 2,6 Prozent des globalen Wasservorkommens ausmacht, steigt.

Die Auswirkungen der mangelnden Aufmerksamkeit, die dem Wasser – auch seiner schmutzigen Seite, der ­Sanitärversorgung – geschenkt wird, sieht man deutlich: Abfälle und Giftstoffe werden immer noch zu häufig bedenkenlos in unsere Umwelt und in Gewässer einge­leitet und zerstören so große aquatische Ökosysteme.

Uschi Eid

Die Auswirkungen der mangelnden Aufmerksamkeit, die dem Wasser – auch seiner schmutzigen Seite, der Sanitärversorgung – geschenkt wird, sieht man deutlich: Abfälle und Giftstoffe werden immer noch zu häufig bedenkenlos in unsere Umwelt und in Gewässer eingeleitet und zerstören ­ so große aquatische Ökosysteme, die gleichzeitig Nahrungsmittellieferant sind. Viele wasserarme Länder und Regionen plündern ihre oft nicht erneuerbaren Grundwasserressourcen und riskieren so ihre ­Lebensgrundlage, mit nicht vorhersagbaren Folgen für die Bekämpfung von Hunger. Lester Brown, Präsident des Earth Policy Institute hat schon 2013 darauf aufmerksam gemacht, dass nicht »peak oil«, sondern »peak water« die Her­aus­forderung der Zukunft sein wird. 

Viele wasserarme Länder plündern ihre oft nicht erneuerbaren Grundwasserressourcen und riskieren so ihre Lebensgrundlage.

Uschi Eid

Denn Nah­rungs­mittel kann man zwar ohne Öl, nicht aber ohne Wasser anbauen. Für Wasser gibt es kein Substitut. In den meisten Ländern der Erde findet keine Überwachung der Wassermenge und ­-qualität statt. In Entwicklungsregionen werden 90 Prozent der kommunalen und 70 Prozent der Industrieabwässer unbehandelt in die Umwelt ­entlassen. Milliarden von Menschen leiden unter ungenü­gen­dem Zugang zu Trinkwasser und Sanitärversorgung, mit der Folge, dass wasser­bedingte Krankheiten weltweit an fünfter Stelle aller Todesursachen und in Afrika sogar an ­dritter Stelle stehen. 

Wasserrisiken als Querschnittsthema

Es ist höchste Zeit, dass Wasserrisiken als eine der wichtigsten globalen Herausforderungen erkannt werden und politischer Wille entwickelt wird, vorhandene Erkenntnisse und existierende Konventionen, internationale Beschlüsse und nationale Gesetze umzusetzen. Wasserrisiken müssen als Querschnittsthema in nationale Entwicklungs­planungen integriert werden und der Privatsektor muss stärker einbezogen werden. Auch wenn Auswirkungen von Wasserproblemen vielfach ­lokal und regional spürbar sind, hat Wasser eine wachsende globale Dimension. Infolge des Klima­- wandels, wasserbedingter Katastrophen und Migration, globaler Wirtschaftstätigkeiten, aufkommender Gefahren für die öffentliche Gesundheit und virtueller Wasserströme sind die Wasserprobleme anderer längst auch unsere. Deswegen müssen sie systematisch, auch aus einer globalen Perspektive, angepackt werden. Eine wichtige Orientierung gibt das 2015 im Rahmen der »Agenda 2030« beschlossene Wasserziel (SDG 6), das von allen VN-Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde und universelle Gültigkeit hat.