Ressourcenmanagement als globale Aufgabe

Von Prof. Dr. Ralph Watzel

Süßwasser macht nur 2,5 Prozent der globalen Wasserressourcen aus. Zwei Drittel davon sind im Eis der Pole und Gletscher gebunden, und in Flüssen und Seen sind nur 0,5 Prozent des Süßwassers vorhanden. Der größte Teil des nutzbaren Süßwassers entfällt mit einem Drittel aller Vorkommen auf das Grundwasser. In Deutschland entstammen zwei Drittel der Wasserversorgung aus dem Grundwasser, in den Trockengebieten der Erde hingegen bis zu 100 Prozent.

In zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern führt die Übernut­­-zung des Grundwassers – insbesondere durch die Landwirtschaft – schon heute zu einem gefährlichen Absinken der Grundwasserstände. (Geringe) Grundwasserneubildung und (steigender) Verbrauch sind nicht mehr im Gleichgewicht. Dies hat meist drastische Folgen. Der globale Meeresspiegelanstieg infolge des Klimawandels bedroht schon heute küstennahe Grundwasservorkommen von rund zwei Milliarden Menschen durch schleichende Versalzung. Ungeklärte Siedlungs- und Industrieabwässer verstärken die qualitativen Beeinträchtigungen.

Bedarf an mineralischen Rohstoffen

Der globale Bedarf an mineralischen Rohstoffen nimmt durch Bevölkerungswachstum, zunehmenden Wohlstand in den Schwellen- und Entwicklungsländern sowie technologische Innovationen stetig zu. Bisher werden vorrangig die in größeren Mengen eingesetzten Rohstoffe wiederverwertet. Unzureichende Technologien, Logistik und Wirtschaftlichkeit sowie eine zu feine Verteilung in der Technosphäre behindern bisher höhere Wiederverwertungsquoten von wertvollen Stoffen, die nur in geringen Mengenanteilen in Industrieprodukten vorkommen. Ziel und Herausforderung muss die weitestmögliche Kreislaufführung sein. Dennoch wird auf lange Sicht ein bedeutender Teil des Bedarfs durch primäre Rohstoffe ­gedeckt werden müssen.

In einer Welt mit hohem Bevölkerungswachs­tum, steigendem Lebensstandard und sich ändernden Lebensgewohnheiten wird das nachhaltige Management der Geo-Ressourcen Grundwasser und Rohstoffe Voraussetzung für eine sichere Lebens- und Wirtschaftsgrundlage.

Prof. Dr. Ralph Watzel

Das Vorhandensein von mineralischen Rohstoffen in einem Land wird von den geologischen Verhältnissen bestimmt. Ist das Rohstoffangebot auf wenige Länder konzentriert, kann dies zu Marktmacht und bei instabilen Verhältnissen in diesen Ländern zu Versorgungsunsicherheiten führen. Die geologische Verfügbarkeit dieser Rohstoffe wird auf lange Sicht kein Problem darstellen. Jedoch sind die klassischen Lagerstätten mit einfachem Zugang und hohen Rohstoffgehalten immer mehr erschöpft, sodass sich Erkundung und Abbau zunehmend auf Lagerstätten mit geringeren Rohstoffgehalten und komplexen Zusammensetzungen sowie in schwer zugänglichen Gebieten (tiefer Untergrund, Tiefsee) konzentrieren müssen. Jede Rohstoffgewinnung stellt einen Eingriff in die Um­- welt dar und birgt das Potenzial sozialer Probleme. 

Internationale Vertragswerke zum Grundwassermanagement

Für die sachgerechte Bewirtschaftung der glo­ba­len Grundwasserressourcen müssen belastbare Szenarien über deren quantitative und qualita­-tive Entwicklung erstellt werden. Dies erfordert die Betrachtung sowohl im regionalen Maßstab als auch im grenzüberschreitenden Kontext. Politische Entscheidungsträger müssen frühzeitig eingebunden und internationale Vertragswerke ­ zum Grundwassermanagement, wie sie für gro­ße Fluss­einzugsgebiete bereits heute existieren, müssen vorangebracht werden.

Der globale Meeresspiegel­anstieg infolge des Klimawandels bedroht schon heute küstennahe Grundwasservorkommen von rund zwei Milliarden Menschen durch schleichende Versalzung.

Prof. Dr. Ralph Watzel

Für die nachhaltige Nutzung primärer minera­lischer Rohstoffe unter dem Gesichtspunkt einer künftigen globalen Versorgungssicherheit ist die Entwicklung von Szenarien und geeigneter Umsetzungsmaßnahmen erforderlich. Die Maßnahmen umfassen unter anderem die Erkundung neuer Lagerstätten an Land und in der Tiefsee sowie die Entwicklung angepasster Gewinnungs- und Aufbereitungsmethoden. Gleichzeitig sind ­langfristig tragfähige Konzepte zur verantwortungsvollen Gewinnung auf globaler Ebene ­erforderlich.