In der Ernährungssicherung neue Wege gehen

Um im Jahre 2050 eine Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen ernähren zu können, müssen 60 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden als heute – ohne dabei das Weltklima weiter zu schädigen oder zur Wasserknappheit beizutragen. 

Ernährungssicherung ist eine zentrale Grundlage von Frieden, Stabilität und menschlicher Entwicklung. Obwohl sich in den vergangenen Dekaden die Ernährungssituation für große Teile der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern entspannt hat, leiden noch immer rund 800 Millionen Menschen an Hunger. Das sind elf Prozent der Weltbevölkerung. Dabei gäbe es genügend Nahrung, hinreichendes Wissen und ausreichend finanzielle Mittel, um den Hunger zu überwinden. Will die Weltgemeinschaft ihr »Zero Hunger«-Ziel der UN-»Agenda 2030« erreichen, dann müssen die Anstrengungen noch einmal in-tensiviert werden. Denn laut Welthunger-Index ist die Situation in 43 Ländern noch immer »ernst«, in sieben Ländern sogar »sehr ernst«. Besonders gravierend ist die Lage in ländlichen Gebieten: Dort leben drei Viertel aller Hungernden – und das, obwohl fast alle Betroffenen selbst Nahrung produzieren.

Hier kann Deutschland mit seinem Know-how einen besonderen Beitrag leisten. Bei der Herstellung von Düngemitteln, in der Pflanzenzüchtung, mit der Förderung von neuen Handelskonzepten, der Abschaffung unfairer Handelspraktiken und neuen Handelskonzepten, mit der Förderung von produktiven Anbaumethoden, besserer Finanzierung von Kleinbauern und nicht zuletzt mit der Veränderung unserer Konsummuster. Eine klare Kennzeichnung aller importierten Produkte in Bezug auf Anbaumethoden, Wasserverbräuche und die soziale Situation in den Herkunftsländern wäre ein wichtiger Schritt, der unserem Ideal des mündigen Bürgers und Verbrauchers und dem freien Handel entsprechen würde. 

Wir müssen mehr in die Forschung und in den Transfer von Agrarinnovationen in die Anwendung investieren. Wir müssen die Angst über­winden, für die notwendigen Verbesserungen der Ernährungssituation auf das Wissen großer Unternehmen zuzugreifen. Zudem gilt: Ambitionierter Klimaschutz in den Industrieländern ist eine wesentliche Voraussetzung für den Schutz weltweit verfügbarer Agrarflächen. Die Wirtschafts-, Wissens- und Gestaltungsmacht Deutschland muss im wohlverstandenen Eigeninteresse signifikante Beiträge zur Sicherung der Welternährung leisten.