Gemeinsam Potenziale für Afrikas Jugend und deutsche Unternehmen erschließen

Von Prof. Dr. Heinz-Walter Große

Die B. Braun Melsungen AG ist seit Jahrzehnten erfolgreich in vielen Ländern des afrikanischen Kontinents tätig. Zudem treffe ich als Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri) regelmäßig deutsche wie afrikanische Unternehmer, die sich auf unserem Nachbarkontinent engagieren. Sicherlich spielen bei meinen Afrika-Aktivitäten auch die oft in den Schlagzeilen stehenden Herausforderungen eine Rolle. In vielen afrikanischen Ländern bleiben beispielsweise Sicherheit, Bürokratie und Korruption wich­tige Themen, die angegangen werden müssen. Bei einem unternehmerisch-strategischen Blick ­dürfen wir aber die positiven Erfahrungen nicht ­aus den Augen verlieren und müssen unseren ­Fokus auf künftige Potenziale richten. 

Die Dynamik des afrikanischen Kontinents wird mir bei meinen Aufenthalten besonders durch bereichernde Begegnungen mit jungen Menschen vor Augen geführt. Die Kreativität und das Enga­gement der Jugend Afrikas beeindrucken mich zutiefst. Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung schöpfe ich aus diesen Gesprächen große Zuversicht für die Zukunft des Kontinents. 

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas wollen deutsche Unternehmen Partner sein. Die Flankierung und Unterstützung der Politik ist dabei wichtig. Gemeinsam können Wirtschaft und Politik weitere Potenziale für Afrikas Jugend und deutsche Unter­nehmen erschließen – und damit nachhaltige Perspektiven schaffen.

Prof. Dr. Heinz-Walter Große

An der Tatkraft wie auch den Perspektiven der ­Jugend wird sich der künftige Weg Afrikas entscheiden. Der Wunsch nach einer konstruktiven Teilhabe an der Weltwirtschaft ist genauso wie der Wunsch nach demokratischen Strukturen und Transparenz in der Regierungsführung als Grundlage hierfür bereits unüberhörbar. Ein Ausdruck dessen ist auch die steigende Zahl innova­tiver Start-ups in Afrika. Afrikaner entwickeln in vielen Bereichen innovative Lösungen für ihre ­individuellen Bedürfnisse. Von der Bezahlung per Mobiltelefon über Malaria-Schnelltests und kleine Traktoren bis hin zu Online-Lernplattformen. Unternehmerischer Erfolg in Afrika ist oftmals made in Africa und Katalysator auch gesellschaftlicher und politischer Transformation.

Welchen Beitrag kann die deutsche Wirtschaft leisten, diesen Wandel positiv mitzugestalten? 

Um ihre Potenziale zu entfalten, brauchen junge Menschen eine strukturierte Förderung. Die Grundlage sind eine gute schulische Bildung und eine darauf aufbauende berufliche Ausbildung. Deutschlands System der dualen Berufsausbildung ist eine wichtige Säule für den Erfolg unserer Wirtschaft – und ein nachgefragter Exportschlager. Viele deutsche Unternehmen bilden ­bereits an ihren Standorten in Afrika aus. Diese Aktivitäten müssen ausgeweitet werden. Hier gibt es auch schon verschiedene Ansätze: Die deutschen Auslandshandelskammern, Delegationen und ­Repräsentanzen der Deutschen Wirtschaft (AHK) sind mit Projekten aktiv. Und auch der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagen­bauer (VDMA) hat eine Fachkräfteinitiative für Nigeria, Kenia und Botswana ins Leben gerufen.

An der Tatkraft wie auch den Perspektiven der Jugend wird sich der künftige Weg Afrikas entscheiden.

Prof. Dr. Heinz-Walter Große

Außerdem braucht eine gut ausgebildete afrikanische Jugend Perspektiven vor Ort. Hierzu müssen auch deutsche Unternehmen stärker als bisher die sich bietenden Chancen nutzen und zukunfts­weisend in Kooperation mit lokalen Partnern in die Einbindung des afrikanischen Kontinents in globale Wertschöpfungsketten investieren. Erste Ansätze sehen wir bereits beim Engagement deutscher Unternehmen in Südafrika und verstärkt in jüngster Zeit in Kenia, Nigeria und Ghana. 

Welche Unterstützung braucht die deutsche Wirtschaft?

Um gemeinsam vorhandene Chancen zu nutzen, müssen die deutsche Wirtschaft und die Politik strategisch zusammenarbeiten. Ich bin überzeugt, dass es uns gelingen kann, lohnende Perspekti­ven zu schaffen für eine gut ausgebildete und motivierte afrikanische Jugend. Damit leisten wir einen Beitrag für starke Volkswirtschaften und gesunde Demokratien.