Frieden und Sicherheit durch saubere Energie

Von Jennifer Morgan

Vor vier Jahren, im Jahr 2012, erhielt die EU den Friedensnobelpreis für ihre Rolle bei der Wandlung Europas von »einem Kontinent des Krieges in einen Kontinent des Friedens«. Doch das Gründungsprinzip der EU, Frieden und Sicherheit für ihre Mitgliedstaaten und für andere Länder zu sichern, scheint inzwischen vergessen. Europa braucht eine neue Existenzberechtigung: ein Friedens- und Sicherheitsprojekt, das den Bürgern der EU und den Menschen überall auf der Welt Hoffnung und Bedeutung schenkt.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Klimawandel sind eindeutig und es ist klar, dass fossile Brennstoffe eine wichtige Rolle bei der Entstehung ebenjener Phänomene spielen, durch die weltweit Instabilität entsteht. Aus diesem Grund muss die neue Existenzberechtigung für Europa darin bestehen, den Menschen durch den Aufbau einer neuen, sauberen Ener­giewirtschaft Frieden und Sicherheit zu bringen. Eine derartige effiziente, dezentralisierte und auf erneuerbaren Energien aufgebaute Wirtschaft würde nicht nur Stabilität für Europa bedeuten, sie würde auch dazu führen, dass langfristig neue, angemessene Arbeitsplätze entstünden, dass ­Gemeinden in ihrer Energieversorgung unabhängiger würden und dass eine moderne, von Inno­vationen befeuerte Wirtschaft Fahrt aufnehmen könnte. 

Außen- und Entwicklungspolitik auf erneuerbare Energien ausrichten

Als das Land mit den weltweit ambitioniertesten Plänen zur Umstellung der Energiewirtschaft hat Deutschland der Welt viel zu bieten. Es sollte eine Führungsrolle übernehmen und seine Außen- und Entwicklungspolitik darauf ausrichten, dass die Weltwirtschaft bis spätestens zum Jahr 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert und keine fossilen Brennstoffe mehr verwendet.

Deutschland sollte seine Außen- und Entwicklungspolitik darauf ausrichten, dass die Weltwirtschaft bis 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert.

Jennifer Morgan

Insbesondere sollte Deutschland:

• sicherstellen, dass alle Bemühungen des für ­Entwicklungshilfe zuständigen Bundesministeriums darauf ausgerichtet sind, eine Wirtschaft aufzubauen, in der keine fossilen Brennstoffe mehr eingesetzt werden und die damit das Klima schont. Es wird in diesem Bereich zwar bereits viel getan, doch es sollte der Hauptfokus des Ministeriums werden.

nicht weiter Finanzhilfen oder Exportkredite für Auslandsprojekte bereitstellen, die auf ­fossilen Brennstoffen basieren. Solche Projekte enden letztlich in verlorenen Investitionen für arme Länder und zeitigen negative Folgen vor Ort wie Todesfälle aufgrund der Luftverschmutzung. Deutschland sollte arme Länder dabei ­unterstützen, sich in ihrer Energieversorgung auf vor Ort verfügbare erneuerbare Energiequellen zu konzentrieren.

• den Übergang zu einer sauberen und nach­hal­tigen Energiewirtschaft zum Eckstein seiner Außenpolitik machen, dies bei jeder Gelegenheit zur absoluten Priorität machen und dabei neue Allianzen mit anderen Ländern, mit der ­Zivilgesellschaft und mit Unternehmern schmieden. 

Europa braucht eine neue Existenzberechtigung: ein Friedens- und Sicherheitsprojekt, das den Bürgern der EU und den Menschen überall auf der Welt Hoffnung und Bedeutung schenkt

Jennifer Morgan

In den vergangenen Jahren basierte die Entscheidung des Nobelpreiskomitees für einen bestimmten Preisträger nicht mehr nur auf erbrachten Leistungen, sondern zum Teil auch darauf, welches Potenzial man sah, dass dieser Preisträger in der Zukunft wichtige Veränderungen vorantreiben würde. Die EU und Deutschland müssen sich als wirklich verändernde Kräfte begreifen, wenn es darum geht, Frieden und Klimasicherheit zu schaffen.