Die »Agenda 2030« und das Pariser Übereinkommen – entscheidende Beiträge zur Friedenssicherung

Von Jochen Flasbarth

2015 war ein bemerkenswertes Jahr. Inmitten schwerster Konflikte und Krisen ist es gleich zweimal gelungen, bahnbrechende Entscheidungen für unser aller Zukunft zu treffen. 

Die beim Uno-Nachhaltigkeitsgipfel beschlossene »Agenda 2030« mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen ist der ehrgeizigste Plan, der jemals gegen die ­Armut und gegen die Zerstörung unseres Planeten aufgestellt worden ist. Mit dem nur wenige Wochen später vereinbarten Pariser Klimaübereinkommen verständigte sich die internationale Staatengemeinschaft darauf, bereits in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ­klimaneutral zu wirtschaften, damit der weltweite Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius gehalten werden kann. Es sollen darüber hinaus Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg sogar bei 1,5 Grad aufzuhalten.

Die Übernutzung der endlichen Ressourcen durch wenige zu­lasten von vielen ist ein fundamentaler Gerechtigkeitsverstoß.

Jochen Flasbarth

Es stimmt hoffnungsfroh, dass mit der »Agenda 2030« und dem Pariser Übereinkommen nun ­Einigkeit darüber besteht, dass der Struktur­wandel hin zu nachhaltigeren, kohlenstoffarmen Wirtschaftsweisen entschlossen vorangebracht ­werden muss und für alle Menschen Wohlstand und gesunde Lebensverhältnisse ermöglicht ­werden sollen. 

Ein »Weiter wie bisher« darf es nicht geben

Wir müssen den einen Planeten, den wir haben, für jetzige und künftige Generationen schützen und dürfen ihn nicht bis über seine Belastungsgrenzen hinweg ausbeuten.

Zugleich werden wir Frieden nur erreichen können, wenn wir Ungleichheiten verringern und zu mehr Chancengerechtigkeit kommen.

Ein »Weiter wie bisher« darf es nicht geben. Wir müssen zügig den Strukturwandel zu einer Wirtschaftsweise einleiten, die die Grenzen unserer natürlichen Lebensgrundlagen respektiert; eine Wirtschaftsweise, die deshalb erfolgreich ist, weil sie nicht den kurzfristigen Profit für wenige, sondern nachhaltigen Wohlstand für alle im Auge hat. 

Letztlich bedeutet dies, dass die OECD-Staaten und ebenso die vermögenden Bevölkerungsschichten in den Schwellen- und Entwicklungsländern zu einem Lebensstil kommen müssen, der von jedem Menschen auf der Welt gelebt werden könnte, ­ohne dass dabei die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten überschritten werden. Das ist gegenwärtig eindeutig nicht der Fall.

Die Übernutzung der endlichen Ressourcen durch wenige zulasten von vielen ist ein fundamentaler Gerechtigkeitsverstoß. Wenn wir dieses Missverhältnis nicht beherzt angehen, wird es künftig ­Anlass zu weiteren Konflikten und Krisen geben und in der Folge auch zu weiteren Flüchtlings­strömen kommen.

Genau hier setzen die Nachhaltigkeitsziele der »Agenda 2030« und die Vorgaben des Pariser ­Klimaübereinkommens an. 

Die Energiewende in Deutschland zeigt: Der erforderliche Strukturwandel ist möglich

Mit der Energiewende in Deutschland haben wir gezeigt, dass der erforderliche Strukturwandel möglich ist. Deutschland gewinnt heute bereits fast ein Drittel seines Stroms aus erneuerbaren Energien. Bis 2035 soll der Anteil der Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Wasser mindestens 50 Prozent betragen und dann vermutlich tatsächlich höher liegen. Das Wirtschaftswachstum ­wurde vom Wachstum des Energieverbrauchs entkoppelt; das heißt, der Energieverbrauch wächst langsamer als das Bruttoinlandsprodukt. Dies konnte gelingen, weil es hierfür in Deutschland über alle gesellschaftlichen Gruppen hin­weg breite Unterstützung gibt.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der Übergang zu einer wahrhaft nachhaltigen Entwicklung insgesamt umso erfolgreicher sein wird, wenn er als Gestaltungsaufgabe nicht nur der Regie­run­gen, sondern der gesamten Gesellschaft verstanden wird. Die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, lassen sich so auf jeden Fall schneller und besser bewältigen.