Arbeitslosigkeit darf nicht die prägende Erfahrung im Erwerbs­leben junger Menschen sein

Dr. h. c. Frank-J. Weise

Nicht erst seit den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 verschwimmen zusehends die Grenzen zwischen Außen- und Innenpolitik. Innere und äußere Sicherheit müssen immer stärker im Zusammenwirken mit gesellschaft­lichen, ökonomischen, ökologischen und kulturellen Faktoren gesehen werden. Hierbei gewinnen auch arbeitsmarktpo­litische Themen zunehmend an Bedeutung. Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa und in anderen Regionen der Welt spielt dabei eine zentrale Rolle.

Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit birgt Potenzial für Radikalisierung und Gewalt

In Deutschland ist das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zwar viel geringer ausgeprägt als in ­anderen Staaten. Die Erwerbslosenquote der unter 25-Jährigen ist in unserem Land mit 5,3 Prozent die niedrigste in der gesamten Europäischen Union. In den Problemvierteln deutscher Großstädte und in strukturschwachen Regionen erfahren ­radikale Gruppierungen trotzdem Zulauf durch junge Menschen, deren Erwerbsbiografie ­problembehaftet ist. 

Mangelnde soziale Teilhabe, Pro­bleme bei der Erwerbsintegration und die frühe Erfahrung von Arbeitslosigkeit können Nährboden für Radi­ka­lisierung und Gewalt sein.

Dr. h.c. Frank-J. Weise

Die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 /09 hat fast überall in Europa deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. 2013 betrug der Anteil erwerbsloser Jugendlicher an allen Jugendlichen in den Ländern der EU-28 rund zehn Prozent. Vor allem im Süden Europas leiden viele junge Menschen noch immer unter den Folgen der Krise.

Weltweit ist das Arbeitslosigkeitsrisiko von unter 25-Jährigen fast dreimal so hoch wie bei Erwach­senen. In Entwicklungsländern sind bis zu zwei Drittel der jungen Menschen nicht oder nur ­unvollständig in das Erwerbsleben integriert. 

Die Integration in Arbeit ist ein wichtiger Beitrag zur Prävention

Mangelnde soziale Teilhabe, Probleme bei der ­Erwerbsintegration und die frühe Erfahrung von Arbeitslosigkeit können Nährboden für Radi­- ka­lisierung und Gewalt sein. Eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration junger Menschen trägt zur Prävention von Gewalt bei.

Weltweit ist das Arbeitslosigkeitsrisiko von unter 25-Jährigen fast dreimal so hoch wie bei Erwach­senen. In Entwicklungsländern sind bis zu zwei Drittel der jungen Menschen nicht oder nur unvollständig in das Erwerbsleben integriert.

Dr. h.c. Frank-J. Weise

Gerade im Nahen Osten und im Maghreb ist die schlechte Erwerbssituation eine Ursache von ­Zulauf zu radikalen religiösen Gruppierungen. Dies führt zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Im Zuge des internationalen Terrorismus und über Migrationsströme gelangen diese Gefährdungen auch in andere Regionen. 

Wir müssen alle Kräfte mobilisieren im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit darf nicht die prägende Erfahrung im Erwerbsleben Jugendlicher und junger Erwachsener sein. Die aus der Jugendarbeits­­lo­sigkeit erwachsenden Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit erfordern die Mobilisierung aller Kräfte. Klar ist, dass die Einbindung der Jugendlichen in Erwerbsarbeit das Risiko von Radikalisierung und Gewalt senken kann. Im Fokus müssen dabei Regionen stehen, deren fragile Stabilität sich auf die Sicherheitslage vor Ort auswirkt. Hierzu gehören unter anderem der Balkan und die Mittelmeeranrainerstaaten. 

Zentrale Ansatzpunkte sind:

•   Örtliche Arbeitsmarktstrukturen aufbauen und stärken

•   Strukturen zur Verbesserung der Erwerbschancen junger Menschen schaffen

•   Funktionierende Arbeitsverwaltungen aufbauen

•   Arbeitsmarktexpertise international  weitergeben

•   Good Governance im arbeitsmarktpolitischen Bereich etablieren