Afrikas Finanzsysteme fördern – für uns alle

Von Dr. Norbert Kloppenburg

Entwicklungspolitik ist immer auch Außen- und Sicherheitspolitik. Die Einsätze der Bundeswehr in Konfliktgebieten nehmen zu – zuletzt in Mali. Aber spätestens mit den Flüchtlingsströmen ist diese Erkenntnis wirklich bei uns angekommen. 65 Millionen Menschen weltweit sind laut unhcr auf der Flucht. Migrationsforscher sagen voraus, dass sich durch gewaltsame Konflikte, Hunger und Wassermangel, die der Klimawandel zu verschärfen droht, die ­Zahl der Menschen, die bis 2050 ­ihre Heimat verlassen müssen, auf 200 Millionen erhöhen wird – wenn nicht gehandelt wird. Bundeskanzlerin Merkel, die im ­Oktober 2016 Mali, Niger und Äthiopien bereiste, wird mit den Worten zitiert: »Das Wohl Afrikas liegt im deutschen Interesse.« Anders gesagt: Wir sind alle aufeinander angewiesen.

Lokales Privatkapital ist vorhanden

Globales Handeln muss den Menschen in ihrer Heimat eine Perspektive eröffnen. Frieden und politische Stabilität, der Zugang zu Basisdienstleistungen und eine Wirtschaftsordnung, die dem Einzelnen ein selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglicht, sind hierfür unabdingbar. Für welche Ausgestaltung nationaler Systeme sich eine Regierung im Detail auch entscheidet – Infrastruktur und eine funktionierende Privatwirtschaft ge­hören zum Fundament für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. In Afrika ist der Bedarf besonders immens: Allein im Energiesektor be­ziffert die Weltbank die Finanzierungslücke für ein moderates Aufholen Afrikas im Vergleich zu Indien auf 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Mindestens ebenso hoch dürfte die ungedeckte Finanzierungsnachfrage von kleinen und mittleren Unternehmen sein.

Wer Fluchtursachen bekämpfen will, muss lokale Wirtschaftskreisläufe entwickeln. Dazu bedarf es funktionsfähiger lokaler Finanz­systeme. Nur so können Infrastruktur und Privatwirtschaft zu Trägern von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung werden.

Dr. Norbert Kloppenburg

Derart gewaltige Summen decken öffentliche Entwicklungsgelder (Official Development Assistance/­ODA) keinesfalls. Internationale Kapitalmärkte sind ärmsten Ländern nur indirekt über internationale Entwicklungsbanken zugänglich. Deren Unterstützung geht jedoch mit Risiken einher: Konzessionäre Großkredite mit Laufzeiten von oft mehr als 20 Jahren werden meist in Euro oder US-Dollar vergeben. Ohne Deviseneinnahmen droht diese Schuldenlast durch die Abwertung lokaler Währungen gegenüber den harten Fremdwährungen immer drückender zu werden. Zu Recht forderte die dritte Entwicklungsfinan­zierungskonferenz der un 2015 eine verstärkte Mobilisierung privater lokaler Gelder.

Lokales Privatkapital ist vorhanden, doch es fließt nur begrenzt in lokale Wirtschaftskreisläufe. Ersparnisse werden im Ausland angelegt; Depositen bei lokalen Banken sind gering und meist kurzfristig kündbar. Der Schlüssel zur Lösung: Die Mobilisierung lokaler Finanzierung muss an der Stärkung nationaler Finanzsysteme ansetzen.

Afrika fängt nicht bei null an

Afrika fängt nicht bei null an. Immer mehr afrikanische Länder haben – auch dank internationaler Unterstützung – angemessen regulierte Finanzmärkte, eine Einlagensicherung und gut aufgestellte Banken, sowohl in privater als auch in öffentlicher Hand. Doch es kann mehr getan werden: Nach eigenem Vorbild könnten internationale Entwicklungsbanken nationalen afrikanischen Entwicklungsbanken dabei zur Seite stehen, sich zu »lokalen Kapitalsammelstellen« mit der notwendigen Solvenz und Unabhängigkeit zu ent­wickeln. 

Infrastruktur und eine funktio­nierende Privatwirtschaft gehören zum Fundament für eine nach­haltige wirtschaftliche Entwicklung. In Afrika ist der Bedarf besonders immens.

Dr. Norbert Kloppenburg

Nationale Geschäftsbanken könnten als Mitglieder internationaler Finanzierungskon­sortien in das regionale, langfristige Infrastruk­tur­geschäft eingebunden und bei der Emission von Anleihen in Lokalwährung unterstützt werden. ­Um hierbei Breitenwirkung zu erzielen, müssen Geber in viel größerem Umfang als bisher Währungsrisiken und Garantien für Investitionen vor Ort übernehmen.

Internationale Geber, allen voran Deutschland, sollten der Initiative für die Entwicklung afrikanischer Finanzmärkte zum Durchbruch verhelfen – für die Bevölkerung dort und hier.